Über 90 Prozent aller Senioren möchten so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Doch enge Badezimmertüren, hohe Wannenränder und steile Treppen werden im Alter schnell zur Gefahr. Erfahren Sie hier, wie Sie Ihre Wohnung anpassen, welche Fördermittel die Pflegekasse bereitstellt und welche barrierefreien Wohnangebote es in Maintal gibt.

Als meine Mutter vor zwei Jahren sagte: „Ich ziehe hier nur mit den Füßen zuerst aus!", wusste ich genau, was sie meinte. Sie liebt ihre Wohnung in Dörnigheim, ihren kleinen Balkon mit Blick ins Grüne und die Nachbarn, die man beim Bäcker an der Ecke trifft. Doch ihr Badezimmer stammte aus den 1970er Jahren: eine tiefe Badewanne mit hohem Einstieg und eine schmale Tür mit einer gemeinen Holzschwelle.

Jedes Mal, wenn sie baden wollte, hatte ich ein mulmiges Gefühl. Die Lösung war weder ein sofortiger Umzug noch ein Pflegeheim. Es war ein durchdachter Umbau zur barrierefreien Dusche. Heute steigt sie sicher ein und aus, und die Pflegekasse hat den Großteil der Kosten übernommen.

1. Bis zu 4.000 Euro Zuschuss der Pflegekasse

Viele Menschen wissen nicht, dass die Pflegeversicherung nach § 40 Abs. 4 SGB XI finanzielle Zuschüsse für sogenannte „wohnumfeldverbessernde Maßnahmen" zahlt. Die Voraussetzungen sind einfach:

  • Es liegt ein anerkannter Pflegegrad vor (bereits ab Pflegegrad 1!).
  • Die Maßnahme erleichtert die häusliche Pflege erheblich oder stellt eine selbstständige Lebensführung überhaupt erst wieder her.

Die Pflegekasse zahlt bis zu 4.000 Euro als Einmalzuschuss pro Maßnahme. Leben zwei pflegebedürftige Personen (z.B. ein Ehepaar) gemeinsam in einer Wohnung, können sogar bis zu 8.000 Euro bewilligt werden; bei vier Personen bis zu 16.000 Euro.

Goldene Regel: Erst genehmigen lassen, dann bauen!

Stellen Sie den Antrag bei der Pflegekasse unbedingt vor Beginn der Arbeiten. Wenn Sie den Handwerker beauftragen und die Rechnung nachträglich einreichen, verweigern die Kassen die Kostenerstattung nach ständiger Rechtsprechung. Holen Sie sich ein bis zwei Kostenvoranschläge ein und reichen Sie diese zusammen mit einem formlosen Antrag ein.

2. Die wichtigsten Umbaumaßnahmen im Überblick

Das Badezimmer: Von der Wanne zur bodengleichen Dusche

Das Bad ist die gefährlichste Gefahrenzone in der Wohnung. Nasse Fliesen und hohe Wannenränder führen zu den meisten schweren Stürzen. Der Umbau einer Wanne zu einer bodengleichen, begehbaren Dusche (Walk-in-Dusche) mit rutschfesten Fliesen (Klasse R10 oder R11) kostet je nach Aufwand zwischen 3.500 und 6.500 Euro. Mit dem Zuschuss der Kasse bleibt der Eigenanteil oft sehr überschaubar.

Türen und Schwellen

Mit einem Rollator oder Rollstuhl wird jede 2-Zentimeter-Türschwelle zum Hindernis. Schwellen lassen sich abflachen oder durch flache Übergangsprofile ersetzen. Bei Bedarf können Zimmertüren verbreitert werden, damit Hilfsmittel problemlos hindurchpassen.

Treppenlifte für Ein- und Mehrfamilienhäuser

Wenn das Schlafzimmer im ersten Stock liegt und die Knie nicht mehr mitmachen, kann ein Sitz-Treppenlift den Auszug verhindern. Ein gerader Treppenlift kostet inklusive Einbau ab etwa 3.500 bis 5.000 Euro. Ein kurviger Lift über mehrere Etagen schlägt mit 8.000 bis 14.000 Euro zu Buche. Auch hier greift der 4.000-Euro-Zuschuss der Pflegekasse.

3. Kostenlose Wohnberatung in Maintal

Sie sind unsicher, welche Umbauten in Ihrer Mietwohnung oder Ihrem Eigenheim machbar und sinnvoll sind? In Maintal gibt es eine hervorragende Anlaufstelle:

Wohnberatung der Stadt Maintal

Seniorenberatung der Stadt Maintal
Rathaus Hochstadt, Klosterhofstraße 4–6, 63477 Maintal
Telefon: 06181 400-365 oder 06181 400-452
E-Mail: seniorenberatung@maintal.de

Die erfahrenen Beraterinnen kommen auf Wunsch direkt zu Ihnen nach Hause. Sie schauen sich Flure, Treppen, Lichtquellen und das Badezimmer an, decken Stolperfallen auf und erstellen einen individuellen Anpassungsvorschlag. Die Beratung ist vollkommen kostenfrei und neutral.

Was gilt für Mieter? Mieter haben nach § 554 BGB einen gesetzlichen Anspruch darauf, dass der Vermieter baulichen Veränderungen zustimmt, die für eine behindertengerechte Nutzung oder Barrierefreiheit erforderlich sind. Der Vermieter darf die Zustimmung nur in seltenen Ausnahmefällen verweigern, kann aber verlangen, dass der Mieter beim Auszug den ursprünglichen Zustand wiederherstellt (Rückbauverpflichtung).

4. Wenn die Wohnung zu groß wird: Seniorenwohnungen in Maintal

Manchmal ist ein Umbau nicht mehr wirtschaftlich: Das Haus ist zu groß geworden, der Garten wächst über den Kopf oder es fehlt ein Aufzug in den oberen Stock. In Maintal gibt es verschiedene Alternativen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter:

Barrierefreie Mietwohnungen der MIG (Maintal Immobilien Gesellschaft mbH)

Die kommunale Maintal Immobilien Gesellschaft mbH (MIG, Telefon: 06181 369665-9) schafft und verwaltet bezahlbaren, schwellenlosen Wohnraum in Maintal. Neubauprojekte wie im Quartier „Am Weides“ in Hochstadt, neue Wohnanlagen in Dörnigheim sowie das Wohn- und Ärztehaus in Alt-Wachenbuchen bieten barrierearme Zuschnitte mit Aufzug und modernen Bädern.

Für geförderte Wohnungen ist ein Wohnberechtigungsschein (WBS) erforderlich. Den Antrag stellen Sie beim Fachdienst Soziale Dienste im Rathaus Hochstadt (Klosterhofstraße 4–6, Raum 056, Tel. 06181 400-367).

Seniorengerechte Bestände der Nassauischen Heimstätte (NHW)

Im Stadtteil Bischofsheim verwaltet die landeseigene Nassauische Heimstätte größere Wohnsiedlungen (u. a. in der Goethestraße und Schillerstraße), die schrittweise modernisiert und seniorenfreundlich angepasst werden, beispielsweise durch stufenlose Hauseingänge, Vorstellbalkone und moderne Zuschnitte.

DRK Wohnen mit Service in Bischofsheim und Dörnigheim

Wer eigene vier Wände mit der Sicherheit eines 24-Stunden-Hausnotrufs und festen Ansprechpartnern im Haus verbinden möchte, findet in Maintal drei Anlagen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK-Kreisverband Hanau e.V.):

  • DRK Seniorenwohnanlage Bischofsheim: Am Frauenstück 1, 33 barrierefreie Wohnungen (46 bis 58 m²) direkt neben dem DRK-Pflegezentrum, mit Aufzug und Balkon.
  • DRK Seniorenwohnanlage Dörnigheim: Eichendorffstraße 7a, 23 schwellenlose Wohnungen (54 bis 79 m²) mit Clubraum für Aktivitäten und Gästezimmer.
  • DRK Seniorenwohnanlage Dörnigheim: Ascher Straße 31, 28 barrierearme, preisgedämpfte Wohnungen (42 bis 58 m²) für ältere Menschen.

Ausführliche Informationen zu Kaltmieten, Betreuungspauschalen und Verträgen finden Sie in unserem Spezialratgeber Betreutes Wohnen in Maintal: Kosten und Angebote.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Gibt es den 4.000-Euro-Zuschuss auch für kleine Hilfsmittel?

Für bewegliche Hilfsmittel wie Haltegriffe, Duschhocker, Toilettensitzerhöhungen oder Badewannenlifter ist keine Wohnumfeldverbesserung nötig. Diese Hilfsmittel kann Ihnen der Hausarzt einfach auf Rezept verordnen. Sie erhalten sie gegen die gesetzliche Zuzahlung (maximal 10 Euro) in Sanitätshäusern vor Ort (z. B. Spörer oder Sanitätshaus Klein in der Region).

Fördert auch die KfW-Bank den barrierefreien Umbau?

Ja. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet das Förderprogramm „Altersgerecht Umbauen" (Zuschuss 455-B bzw. Kredit 159) an. Dieses Programm steht auch Menschen ohne Pflegegrad offen. Allerdings sind die Fördertöpfe der Bundesregierung für Zuschüsse oft im Laufe des Jahres rasch ausgeschöpft. Die Seniorenberatung im Rathaus Hochstadt informiert über den aktuellen Stand.

Was passiert, wenn sich mein Pflegebedarf nach einem Umbau weiter erhöht?

Ändert sich die Pflegesituation gravierend (z.B. weil die Person nach einem Schlaganfall dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen ist), kann die Pflegekasse für eine weitere, medizinisch notwendige Maßnahme erneut bis zu 4.000 Euro bewilligen.

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