Jeder dritte Mensch über 65 Jahren stürzt mindestens einmal im Jahr. Ein Sturz ist oft der Auslöser für Krankenhausaufenthalte, Pflegebedürftigkeit und den Verlust der Selbstständigkeit. Doch die meisten Stürze passieren nicht auf glatter Straße, sondern in den eigenen vier Wänden. Mit wenigen Handgriffen machen Sie Ihre Wohnung sturzsicher.
Es passierte an einem scheinbar friedlichen Sonntagmorgen. Meine Mutter eilte vom Wohnzimmer in den Flur, weil das Telefon klingelte. Mit der Spitze ihrer Filzpantoffel blieb sie an der hochstehenden Kante eines kleinen Läufers hängen und stürzte ungebremst auf die Fliesen. Das Ergebnis: Oberschenkelhalsbruch, Notarztwagen, Notoperation im Alterstraumatologischen Zentrum und wochenlange Reha.
Was mich damals so wütend auf mich selbst gemacht hat: Ein einfacher gummierter Antirutsch-Unterleger für fünf Euro aus dem Baumarkt hätte den Sturz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verhindert. Nehmen Sie die Sturzgefahr nicht auf die leichte Schulter. Gehen Sie noch heute kritisch durch Ihre Wohnung!
1. Die häufigsten Stolperfallen in der Wohnung
In den vertrauten vier Wänden bewegen wir uns oft blind und unachtsam. Achten Sie auf folgende Schwachstellen:
- Lose Teppiche und Läufer: Der Klassiker unter den Sturzursachen. Entfernen Sie kleine Brücken ganz oder befestigen Sie sie mit doppelseitigem Spezialklebeband bzw. rutschfesten Unterlegmatten.
- Kabel auf Laufwegen: Verlängerungskabel vom Fernseher oder der Stehlampe gehören hinter Fußleisten oder in Kabelkanäle an die Wand.
- Schlechte Beleuchtung: Vor allem nachts auf dem Weg zur Toilette. Bringen Sie kleine LED-Nachtlichter mit Bewegungsmelder in Steckdosenhöhe an. Sie schalten sich sanft ein, sobald man den Fuß aus dem Bett setzt.
- Glatte Böden und Wannenränder im Badezimmer: Fliesen werden bei Nässe spiegelglatt. Rutschfeste Matten in der Dusche und fest montierte Haltegriffe an Toilette und Wand geben sicheren Halt.
- Schuhe ohne Fersenhalt: Offene Schlappen, Schlupfpantoffeln oder das Gehen auf Socken sind extrem riskant. Tragen Sie Hausschuhe mit fester Gummisohle und geschlossenem Fersenbereich.
Kostenlose Wohnberatung in Maintal
Sie möchten Stolperfallen professionell aufspüren lassen? Die ehrenamtliche Wohnberatung der Seniorenberatung Maintal (Rathaus Hochstadt, Klosterhofstraße 4–6, Telefon: 06181 400-365) kommt auf Wunsch direkt zu Ihnen nach Hause. Die Beraterinnen und Berater prüfen die Wohnräume neutral und kostenlos und unterstützen bei Anträgen auf Zuschüsse der Pflegekasse (bis zu 4.000 Euro nach § 40 Abs. 4 SGB XI).
2. Hilfsmittel auf Rezept: Was die Krankenkasse zahlt
Niemand muss sich schämen, einen Gehstock oder einen Rollator zu nutzen. Diese Hilfsmittel sind keine Zeichen von Schwäche, sondern moderne Mobilitätsgaranten, die Stürze wirksam verhindern.
Wenn die Gangunsicherheit zunimmt, stellt die Hausärztin oder der Hausarzt ein Hilfsmittelrezept aus. Mit diesem Rezept gehen Sie zu einem Sanitätshaus in Maintal oder der nahen Umgebung:
- Sanitätshaus Bußfeld & Schiller GmbH: Backesweg 61, 63477 Maintal, Telefon: 06181 423610
- Rigoma GmbH & Co. KG: Bahnhofstraße 47, 63477 Maintal-Dörnigheim, Telefon: 06181 9080533
- Sanitätshaus Spörer / Sanitätshaus Klein: Etablierte regionale Partner mit Filialnetzen im nahen Umland
Die Kasse übernimmt die Kosten für Standardmodelle bis auf die gesetzliche Zuzahlung von maximal 10 Euro. Wichtig: Lassen Sie den Rollator im Sanitätshaus genau auf Ihre Körpergröße einstellen. Die Handgriffe müssen exakt auf Höhe der Handgelenke bei locker herabhängenden Armen liegen!
Medikamente als versteckte Sturzursache
Wussten Sie, dass viele Medikamente das Sturzrisiko drastisch erhöhen? Schlaf- und Beruhigungsmittel dämpfen die Reflexe bis in den nächsten Vormittag hinein. Blutdrucksenkende Mittel können beim schnellen Aufstehen zu Schwindelattacken führen. Bitten Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt um einen regelmäßigen Medikations-Check: Müssen wirklich alle Tabletten noch in dieser Dosis eingenommen werden?
3. Kraft und Balance trainieren: Bewegungskurse in Maintal
Muskelmasse baut sich im Alter ab, wenn sie nicht gefordert wird. Doch Muskeln lassen sich in jedem Alter wieder aufbauen: selbst mit 80 oder 90 Jahren! Wer regelmäßig seine Beinmuskeln und das Gleichgewicht trainiert, fängt einen Stolperer sicher ab.
In Maintal gibt es bewährte Angebote für schonende Sturzprophylaxe und Seniorensport:
- Turngemeinde 1882 e.V. Dörnigheim (TG Dörnigheim): Vielfältige Kurse im Reha- und Seniorensport, sanfte Wirbelsäulengymnastik und Sturzprävention.
- Freie Turnerschaft 06 Bischofsheim (FTB) & Turnverein Hochstadt: Altersgerechte Bewegungsgruppen, Stuhlgymnastik und funktionelles Fitnesstraining.
- Gesundheitskurse der Krankenkassen: Viele Kurse sind als Präventionskurse nach § 20 SGB V zertifiziert; die gesetzlichen Kassen erstatten bis zu 80 bis 100 Prozent der Teilnahmegebühren.
4. Der Hausnotruf: Schnelle Hilfe im Ernstfall
Trotz aller Vorsicht lässt sich ein Sturz nie zu 100 Prozent ausschließen. Das Schlimmste nach einem Sturz ist die Hilflosigkeit: Stundenlang auf dem kalten Boden zu liegen, weil das Telefon auf dem Tisch steht und man nicht herankommt.
Ein Hausnotruf-Sender wird als Armband oder Kette direkt am Körper getragen; auch unter der Dusche! Ein einziger Knopfdruck verbindet Sie rund um die Uhr mit der Notrufzentrale, die sofort Angehörige oder den Rettungsdienst alarmiert.
Hausnotruf-Anbieter für Maintal
- DRK Kreisverband Hanau e.V.: Johann-Carl-Koch-Straße 6, Telefon: 06181 106-0
- Johanniter-Unfall-Hilfe Regionalverband Hanau / MKK: Telefon: 06181 90010-750
- Malteser Hilfsdienst: Telefon: 0800 9966001
Kostenübernahme: Liegt mindestens Pflegegrad 1 vor, übernimmt die Pflegekasse auf Antrag die monatlichen Kosten für den Basis-Hausnotruf (25,50 Euro).
5. Wenn doch etwas passiert: Alterstraumatologie in den Nachbarkliniken
Sollte es trotz aller Vorsicht zu einem Knochenbruch kommen, werden Maintaler Patientinnen und Patienten in spezialisierten Zentren versorgt. Das Klinikum Hanau (Leimenstraße 20) und das St. Vinzenz-Krankenhaus Hanau (Am Frankfurter Tor 25) betreiben zertifizierte Alterstraumatologische Zentren (ATZ). Hier arbeiten Unfallchirurgen und Fachärzte für Geriatrie Hand in Hand. Ziel ist es, ältere Patienten schnell wieder auf die Beine zu bringen und den Abbau von Muskeln und geistigen Kräften während des Klinikaufenthalts zu verhindern.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie stehe ich nach einem Sturz am besten wieder auf?
Bleiben Sie nach dem Sturz erst kurz ruhig liegen und atmen Sie tief durch. Prüfen Sie, ob starke Schmerzen vorliegen. Wenn Sie sich bewegen können: Drehen Sie sich langsam auf den Bauch, stützen Sie sich auf Hände und Knie (Vierfüßlerstand) und krabbeln Sie zum nächsten stabilen Möbelstück (Sessel, stabiler Stuhl). Ziehen Sie sich dort mit beiden Händen langsam nach oben auf die Sitzfläche.
Kann ich den Zuschuss für den Badumbau auch bekommen, wenn ich noch keinen Rollator brauche?
Ja. Voraussetzung für den 4.000-Euro-Zuschuss der Pflegekasse ist lediglich das Vorliegen eines Pflegegrads (mindestens Pflegegrad 1). Eine vorübergehende oder drohende Gehbehinderung reicht aus, um den Umbau zur bodengleichen Dusche zu begründen.
Funktioniert der Hausnotruf auch im Keller oder auf dem Balkon?
Moderne Funkhandsender haben eine Reichweite von 30 bis 50 Metern innerhalb der Wohnung und decken in der Regel auch Balkon und angrenzenden Flur ab. Für aktive Senioren, die viel draußen spazieren gehen, gibt es mobile Notrufsysteme mit GPS-Ortung, die bundesweit über das Mobilfunknetz funktionieren.
Wohnung barrierefrei umbauen
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