Der Einkauf wird zu schwer und der Weg zum Facharzt nach Hanau oder Frankfurt zu weit: Für solche Dinge braucht niemand gleich einen ambulanten Pflegedienst. In Maintal gibt es starke zivilgesellschaftliche Netzwerke, die genau hier verlässlich einspringen. Dieser Ratgeber zeigt, wen Sie in Dörnigheim, Bischofsheim, Hochstadt oder Wachenbuchen anrufen, was die Hilfe kostet und wann die Pflegekasse mitzahlt.

Auf einen Blick

  • Bürgerhilfe Maintal e.V.: Zentrale Anlaufstelle für ehrenamtliche Hilfe und Fahrdienste in allen vier Stadtteilen (Telefon 06109 6989777).
  • 131 Euro im Monat: Ab Pflegegrad 1 steht der Entlastungsbetrag nach Paragraph 45b SGB XI zur Verfügung, erstattet wird gegen qualifizierten Beleg.
  • Städtische Angebote: Die Seniorenberatung im Rathaus Hochstadt organisiert wöchentliche Betreuungsgruppen nach Paragraph 45a SGB XI mit Fahrdienst.
  • Erste Beratung kostenlos: Seniorenberatung Maintal (06181 400-365) und Pflegestützpunkt (06181 292-48181) prüfen mit Ihnen die passenden Wege.

Es fing mit den Wasserkisten an

Meine Mutter wohnt seit über vierzig Jahren in Dörnigheim, zweiter Stock, kein Aufzug. Als sie mir im Frühjahr beiläufig erzählte, dass sie ihr Mineralwasser inzwischen nur noch flaschenweise hochträgt, habe ich zuerst gestutzt. Dann habe ich nachgerechnet: Eine Kiste wiegt mehr als zehn Kilo, und das Treppenhaus wird mit den Jahren nicht kürzer.

Einen Pflegedienst wollte sie nicht, fremde Firmen in der Wohnung kamen für sie damals überhaupt nicht infrage. Über Bekannte erfuhren wir von der Bürgerhilfe Maintal. Nach einem kurzen, herzlichen Telefonat kam ein Helfer aus dem Stadtteil, trug die Einkäufe nach oben und blieb noch auf einen Kaffee. Dass wir die Kosten später bei der Pflegekasse einreichen wollten, klappte allerdings erst im zweiten Anlauf: Nicht jeder private Einsatz ist automatisch anerkannt. Ein Gespräch mit der städtischen Seniorenberatung im Rathaus Hochstadt hat das sofort geklärt. Wenn Sie aus dieser Erfahrung eines mitnehmen: Fragen Sie vor dem ersten Einsatz nach den Abrechnungsmodalitäten.

Was Nachbarschaftshilfe leistet und wo ihre Grenzen liegen

Die Maintaler Initiativen sind keine Pflegedienste. Sie bieten bürgerschaftliche Unterstützung im Alltag, meist von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die selbst in Maintal verwurzelt sind. Das schafft Vertrauen, gerade für Menschen, die Hilfe annehmen wollen, ohne gleich bürokratische Verträge abzuschließen.

Typische Einsätze umfassen:

  • Begleitung zu Arztterminen, nach Hanau oder Frankfurt, oft inklusive Fahrdienst
  • Einkäufe und Botengänge vor Ort
  • Gespräche, Vorlesen und gemeinsame Spaziergänge am Mainufer
  • Kleine Handgriffe im Haushalt, vom Glühbirnenwechsel bis zum Einstellen des Fernsehers

Klare Grenzen gibt es bei medizinischen Aufgaben. Körperpflege, Medikamentengabe, Verbandswechsel oder Injektionen sind ausnahmslos Aufgabe examinierter Pflegekräfte eines ambulanten Pflegedienstes. Auch große Haushaltsreinigungen übernehmen Ehrenamtliche nicht. Dafür stehen gewerbliche Haushalts- und Betreuungsdienste zur Verfügung.

Die wichtigsten Anlaufstellen in Maintal

Maintal lebt von seinen vier unterschiedlichen Stadtteilen. Die folgende Übersicht zeigt die zentralen Adressen für bürgerschaftliche Hilfe und Begleitung:

Institution Standort Telefon Schwerpunkt & Angebote
Bürgerhilfe Maintal e.V.Neckarstraße 13, Dörnigheim06109 6989777Fahr- und Begleitdienste, Alltagshilfen, Besuchsdienst, TextilShop
Freiwilligenagentur Maintal AktivKlosterhofstraße 4–6 / Kirchgasse 706181 400-446Reparatur-Café Bischofsheim, DigitalCoaches für Smartphones, Kulturtreff
Seniorenberatung Stadt MaintalRathaus Hochstadt, Klosterhofstraße 4–606181 400-365Betreuungsgruppen nach § 45a SGB XI (dienstags), Wohnberatung, Einzelfallhilfe
Pflegestützpunkt Main-Kinzig-KreisWilly-Brandt-Straße 23, Hanau06181 292-48181Übergeordnete Pflegeberatung, Versorgungspläne und Hausbesuche

Die Bürgerhilfe Maintal e.V. ist im gesamten Stadtgebiet aktiv. Die Geschäftsstelle in der Neckarstraße 13 ist montags und donnerstags von 15:00 bis 17:00 Uhr sowie dienstags, mittwochs und freitags von 10:00 bis 12:00 Uhr persönlich und telefonisch erreichbar. Ein Anrufbeantworter nimmt Anfragen außerhalb der Bürozeiten verlässlich auf.

Die 131 Euro: So kommt das Geld zur Hilfe

Der gesetzliche Entlastungsbetrag bleibt in vielen Haushalten ungenutzt liegen, obwohl er Monat für Monat zur Verfügung steht. Er steht allen gesetzlich Versicherten zu, die zu Hause leben und mindestens Pflegegrad 1 besitzen. Ausgezahlt wird der Betrag nicht als pauschales Bargeld, sondern gegen Vorlage anerkannter Rechnungen bei der Pflegekasse.

Das Geld ist zweckgebunden nach Paragraph 45b SGB XI. Es darf für qualifizierte Angebote zur Unterstützung im Alltag genutzt werden. Dazu zählen anerkannte Betreuungsgruppen, nach Landesrecht zertifizierte Nachbarschaftshelfer und zugelassene Betreuungsdienste. Ungenutzte Beträge eines Kalenderjahres können bis zum 30. Juni des Folgejahres übertragen werden.

Posten Betrag / Regelung
Entlastungsbetrag monatlich131,00 Euro (ab Pflegegrad 1)
Jahresbudget bei voller Inanspruchnahme1.572,00 Euro
Städtische Betreuungsgruppe Hochstadt/Bischofsheim30,00 Euro Eigenanteil je Nachmittag (über Entlastungsbetrag erstattbar)
Übertragungsfrist für RestbudgetsBis 30. Juni des Folgejahres gültig

Berechnen Sie Ihre persönlichen Ansprüche mit unserem Pflege-Rechner. Eine vollständige Auflistung aller Beträge finden Sie im Ratgeber Geld von der Pflegekasse: Alle Leistungen 2026.

Wann übernimmt die Pflegekasse Nachbarschaftshilfe in Hessen?

Nach der hessischen Pflegeunterstützungsverordnung können ehrenamtliche Helferinnen und Helfer über den Entlastungsbetrag abgerechnet werden, sofern bestimmte Vorgaben erfüllt sind:

  • Die helfende Person darf nicht bis zum zweiten Grad mit der pflegebedürftigen Person verwandt oder verschwägert sein.
  • Sie darf nicht im selben Haushalt wohnen.
  • Sie darf höchstens drei pflegebedürftige Personen pro Monat im Rahmen dieser Regelung unterstützen.
  • Es darf lediglich eine pauschale Aufwandsentschädigung fließen, und der Nachweis über einen Grundkurs (beispielsweise Erste Hilfe oder ein Vorbereitungskurs) muss vorliegen.

Fragen Sie die helfende Person oder die Organisation vorab: „Liegt für diesen Einsatz eine Anerkennung nach hessischem Landesrecht vor, damit ich den Beleg bei der Pflegekasse einreichen kann?" Die Seniorenberatung Maintal unterstützt Sie dabei unkompliziert.

Wenn das Ehrenamt nicht ausreicht: Gewerbliche Alltagsbegleiter in Maintal

Wenn Angehörige beruflich stark eingespannt sind oder wöchentlich feste Einsätze von mehreren Stunden nötig werden, stößt reines Ehrenamt an praktische Grenzen. In Maintal stehen dafür zugelassene Pflegedienste und Betreuungsunternehmen bereit, die direkt mit den Kassen abrechnen können.

Im Verzeichnis finden Sie lokale Anbieter wie den Pflegedienst Bianca Neuberger GmbH (Alt Wachenbuchen 3, Telefon 06181 1801890), die APD Maintal (Dörnigheim, Telefon 06181 48081) oder SimCura Maintal (Schäfergasse 7 in Bischofsheim, Telefon 06109 5074638). Vereinbaren Sie vorab eine schriftliche Leistungsübersicht mit den genauen Stundensätzen.

Praktische Hilfen im Alltag: Smartphone, Lampen und Gesellschaft

Hilfe im Alltag bedeutet nicht nur Pflege. Auch wer keinen Pflegegrad hat, findet in Maintal passgenaue Angebote:

  • Reparatur-Café im Stadtteilzentrum Bischofsheim (Dörnigsgraben 22): Gemeinsam mit versierten Freiwilligen werden defekte Toaster, Radios oder Lampen repariert. Termine erfahren Sie über die Freiwilligenagentur Maintal Aktiv.
  • DigitalCoaches der Freiwilligenagentur: Schülerinnen und Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums erklären älteren Menschen geduldig Smartphones, WhatsApp und Online-Tickets.
  • Offener Mittagstisch und Seniorencafés: In den evangelischen und katholischen Gemeinden der Stadtteile sowie in den Bürgerhäusern gibt es regelmäßige Zusammenkünfte für gesellige Stunden.

Persönliche Beratung in Maintal

Seniorenberatung der Stadt Maintal: Rathaus Hochstadt, Klosterhofstraße 4–6, Telefon 06181 400-365 oder 06181 400-452, E-Mail: seniorenberatung@maintal.de. Beratung im Rathaus oder per Hausbesuch.

Pflegestützpunkt Main-Kinzig-Kreis (Standort Hanau): Haus der Gesundheit, Willy-Brandt-Straße 23, 63450 Hanau, Telefon 06181 292-48181. Kostenfrei und trägerneutral.

Häufige Fragen zur Nachbarschaftshilfe in Maintal

Wer bekommt den Entlastungsbetrag von 131 Euro in Maintal?

Jede Person mit Pflegegrad 1 bis 5, die zu Hause lebt, hat Anspruch auf bis zu 131 Euro im Monat nach Paragraph 45b SGB XI. Das Geld wird nicht bar ausgezahlt. Sie legen Rechnungen oder Belege eines anerkannten Angebots bei der Pflegekasse vor und bekommen den Betrag erstattet.

Kann ich die Hilfe der Bürgerhilfe Maintal über die Pflegekasse abrechnen?

Das hängt davon ab, ob das konkrete Angebot nach hessischem Landesrecht anerkannt ist. Die Seniorenberatung der Stadt Maintal (Telefon 06181 400-365) sowie die Bürgerhilfe Maintal e.V. klären diese Frage gerne vor dem ersten Einsatz mit Ihnen.

Verfällt der Entlastungsbetrag, wenn ich ihn nicht nutze?

Nicht sofort. Nicht verbrauchte Beträge eines Kalenderjahres lassen sich in der Regel bis zum 30. Juni des Folgejahres einsetzen. Danach verfallen sie. Wer den Betrag über Monate liegen lässt, verschenkt bares Geld.

Was kostet die Hilfe von der Bürgerhilfe Maintal e.V.?

Die Bürgerhilfe arbeitet gemeinnützig und ehrenamtlich. Für Fahrdienste wird ein geringer Kilometerbeitrag erhoben, der Mitgliedsbeitrag ist mit 15 Euro pro Jahr sehr niedrig gehalten. Details erfahren Sie in der Geschäftsstelle in Dörnigheim.

Helfen die Maintaler Initiativen auch ohne Pflegegrad?

Ja. Die Bürgerhilfe Maintal e.V. und die Freiwilligenagentur Maintal Aktiv unterstützen jede Bürgerin und jeden Bürger, unabhängig davon, ob bereits ein Pflegegrad vorliegt.

Ihr nächster Schritt

Nehmen Sie Kontakt zur Bürgerhilfe Maintal e.V. (06109 6989777) oder zur städtischen Seniorenberatung (06181 400-365) auf. Wenn bereits ein Pflegegrad vorliegt, halten Sie Ihre Versicherungsnummer bereit.

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