Mobilität bedeutet Freiheit und Teilhabe am Leben. Ob zum Wochenmarkt nach Dörnigheim, zum Facharzt nach Hanau oder Offenbach oder zum Kaffeetrinken nach Bischofsheim: In Maintal kommen ältere Menschen auch ohne eigenes Auto sicher ans Ziel. Wir stellen die besten Angebote vor: von Niederflurbussen über das Seniorenticket bis zu Begleitdiensten und barrierefreien Spazierwegen.
Der Tag, an dem meine Mutter ihren Autoschlüssel auf den Küchentisch legte, war nicht einfach. Die Reaktionszeit hatte nachgelassen, der dichte Verkehr auf der B8 und der Kennedystraße machte ihr Angst. Sie fühlte sich plötzlich abgeschnitten von der Welt: „Wie soll ich denn jetzt meine Einkäufe machen oder meine Freundinnen besuchen?".
Gemeinsam haben wir Maintal neu entdeckt; und zwar aus der Perspektive des öffentlichen Nahverkehrs und kleiner praktischer Hilfen. Heute fährt sie völlig selbstverständlich mit dem Bus und genießt es sogar, weil man unterwegs immer ein bekanntes Gesicht trifft und die Parkplatzsuche der Vergangenheit angehört.
1. Barrierefrei mit den Bussen der Stadtverkehr Maintal GmbH (SVM)
Das Rückgrat des Nahverkehrs in unserer Stadt ist die Stadtverkehr Maintal GmbH (SVM). Die Stadtbuslinien MKK-22, MKK-23, MKK-24 und MKK-25 verbinden alle vier Stadtteile (Bischofsheim, Dörnigheim, Hochstadt und Wachenbuchen) engmaschig miteinander sowie mit den Bahnhöfen Maintal Ost und Maintal West, von wo aus Regionalzüge (RE54 und RB58) zügig nach Frankfurt und Hanau fahren. In den Abendstunden und am Wochenende ergänzt das Anruf-Sammel-Taxi (AST 27) das Liniennetz.
Alle Fahrzeuge der SVM sind moderne Niederflurbusse mit seniorenfreundlicher Ausstattung:
- Kneeling-Technik: Der Bus senkt sich an Haltestellen zur Gehwegkante ab, sodass Sie fast stufenlos einsteigen können.
- Klapprampen: An der mittleren Tür kann das Fahrpersonal eine stabile Rampe ausklappen, wenn Sie mit einem Rollstuhl oder Rollator einsteigen möchten.
- Großzügige Stellflächen: Gegenüber der zweiten Tür befindet sich ein großer Mehrzweckbereich mit Haltestangen und Anlehnflächen.
- Haltestellenansagen & Monitore: Die nächste Haltestelle wird laut und deutlich angesagt und auf Bildschirmen im Bus angezeigt.
Tipp für Rollator-Nutzer im Bus
Steigen Sie immer rückwärts aus dem Bus aus! Wer vorwärts mit dem Rollator aussteigt, riskiert, dass die kleinen Vorderräder im Spalt zwischen Bus und Bordsteinkante hängenbleiben und man nach vorne stürzt. Beim Rückwärtsaussteigen ziehen Sie die großen Hinterräder sanft über die Kante und haben stets festen Boden unter den Füßen. Setzen Sie sich während der Fahrt niemals auf den Rollatorsitz, sondern nehmen Sie auf einem festen Bussitz Platz und stellen Sie die Feststellbremsen des Rollators fest.
2. Günstig fahren: Seniorenticket Hessen & Maintal-Pass
Fahrkartenkauf muss nicht kompliziert sein. Für Menschen ab 65 Jahren gibt es in Hessen ein hervorragendes Pauschalticket:
Das Seniorenticket Hessen
Für 398 Euro im Jahr (das sind rund 33,17 Euro im Monat) können Sie alle Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen und Regionalzüge in ganz Hessen nutzen. Das Ticket gilt montags bis freitags ab 9:00 Uhr morgens sowie samstags, sonn- und feiertags rund um die Uhr. Wer rund um die Uhr ohne Zeitbeschränkung fahren und auch die 1. Klasse nutzen möchte, wählt das Seniorenticket Hessen Komfort für 681,50 Euro im Jahr.
Vergünstigungen mit dem Maintal-Pass
Für Maintalerinnen und Maintaler mit kleiner Rente, Grundsicherung im Alter oder Wohngeld gibt es den Maintal-Pass. Bei Fahrten mit den SVM-Bussen zwischen Bischofsheim und den anderen Stadtteilen wird der Fahrpreis direkt beim Buspersonal von Preisstufe 2 auf den günstigeren Preisstufe-1-Tarif abgesenkt. Zudem berechtigt der Pass zum Bezug des Hessenpass mobil, mit dem das Deutschlandticket auf 39 Euro (bzw. 44 Euro ab 2026) monatlich vergünstigt wird. Den Maintal-Pass erhalten Sie am Schnellschalter im Stadtladen Hochstadt.
Freifahrt für schwerbehinderte Menschen
Besitzen Sie einen Schwerbehindertenausweis mit grün-orangefarbenem Flächenaufdruck und den Merkzeichen G, aG, Gl, H oder Bl? Dann können Sie beim Hessischen Amt für Versorgung und Soziales (HAVS) Frankfurt am Main (Walter-Möller-Platz 1, zuständige Versorgungsbehörde für Maintal) eine Wertmarke beantragen. Mit dieser Wertmarke fahren Sie bundesweit im gesamten Nahverkehr kostenlos.
3. Mainfähre Dörnigheim & Bürgerhilfe-Fahrdienst
Zwei lokale Verkehrsmittel schließen Lücken im Alltag:
- Mainfähre Dörnigheim–Mühlheim: Die traditionsreiche Personen- und Wagenfähre verbindet Dörnigheim auf kurzem Weg mit Mühlheim am Main auf der südlichen Mainseite. Einzelfahrten kosten 0,70 Euro für Fußgänger und 1,00 Euro mit Fahrrad. Beachten Sie die Fährzeiten: Montag bis Freitag von 6:00 bis 19:00 Uhr, an Samstagen von 9:00 bis 18:00 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 10:00 bis 18:00 Uhr (privater Betreiber, kein Verbundtarif).
- Ehrenamtlicher Fahrdienst der Bürgerhilfe Maintal e.V.: Wer gehbehindert ist und Begleitung zum Facharzt, ins Krankenhaus oder zur Behörde benötigt, nutzt den Fahrdienst der Bürgerhilfe (Neckarstraße 13, Telefon: 06109 6989777). Ehrenamtliche Fahrer holen Mitglieder direkt an der Wohnungstür ab und begleiten sie zuverlässig. Voraussetzung ist eine Mitgliedschaft für 9 Euro Jahresbeitrag plus eine geringe Kilometerpauschale.
4. Krankenfahrten mit dem Taxi: Wann die Krankenkasse zahlt
Wenn der Bus aus medizinischen Gründen nicht mehr genutzt werden kann, beispielsweise für regelmäßige Arztbesuche, Dialyse, Onkologie-Therapien oder nach Operationen, können Sie ein Taxi oder einen Krankentransport nutzen. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten, wenn die Fahrt medizinisch zwingend notwendig ist und von der Ärztin oder dem Arzt auf einer „Verordnung einer Krankenbeförderung" (Muster 4) verordnet wurde.
Besonders unkompliziert ist es für:
- Personen mit Pflegegrad 4 oder 5
- Personen mit Pflegegrad 3, wenn eine dauerhafte Mobilitätsbeeinträchtigung vorliegt
- Personen mit Schwerbehindertenausweis und Merkzeichen aG, Bl oder H
Bei diesem Personenkreis gilt die Genehmigung für Fahrten zu ambulanten Behandlungen kraft Gesetzes als erteilt. Sie müssen den Transportschein nicht mehr vorab bei der Krankenkasse zur Genehmigung einreichen! Sie zahlen lediglich den gesetzlichen Eigenanteil von 10 Prozent der Fahrkosten (mindestens 5 Euro, maximal 10 Euro pro Fahrt).
5. Barrierefreie Spazierwege in Maintal
Mobilität heißt auch: Raus an die frische Luft und die Natur genießen. Maintal bietet flache Wege mit vielen Sitzbänken, die sich hervorragend für Spaziergänge mit Gehstock oder Rollator eignen:
- Mainuferpromenade Dörnigheim: Breite, asphaltierte Wege direkt am Flussufer, viele Bänke mit Blick auf die vorbeiziehenden Schiffe und barrierefreie Einkehrmöglichkeiten.
- Historischer Rundweg Hochstadt & Streuobstwiesen: Sanfte, befestigte Rundwege um den historischen Ortskern mit seinen Fachwerkhäusern und den weiten Streuobstwiesen Richtung Bischofsheim.
- Grüner Ring Bischofsheim: Flache, gut gepflegte Grünzüge zwischen Wohngebieten und Wiesen mit ausreichend Schattenplätzen für Ruhepausen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Gilt das Seniorenticket Hessen auch für Fahrten nach Frankfurt oder Hanau?
Ja, selbstverständlich. Fahrten nach Frankfurt am Main, Hanau, Offenbach und im gesamten RMV-Gebiet innerhalb Hessens sind vollständig im Ticket enthalten. Für bundesweite Fahrten über Landesgrenzen hinweg empfiehlt sich das Deutschland-Ticket (mit Hessenpass mobil für Berechtigte schon ab 39 Euro monatlich).
Kann ich meinen Rollator kostenlos im Bus mitnehmen?
Ja, ohne Einschränkung. Gehhilfen, Rollatoren und Rollstühle werden in allen Bussen der SVM und Zügen des RMV unentgeltlich befördert.
Wo erhalte ich persönliche Fahrplanauskünfte in Maintal?
Persönliche Fahrplanauskünfte und Netzpläne erhalten Sie im Stadtladen im Rathaus Hochstadt (Klosterhofstraße 4–6) sowie direkt bei der Stadtverkehr Maintal GmbH (SVM, Am Weides 67). Auch das Fahrpersonal der SVM hilft beim Einstieg und bei Anschlussfragen gern weiter.
Vergünstigungen in Maintal optimal nutzen
Möchten Sie wissen, welche Ermäßigungen Ihnen in Maintal neben günstigen Bustickets noch zustehen? Lesen Sie unseren Ratgeber zu den Vergünstigungen für Senioren.