Skrupellose Betrügerbanden haben es gezielt auf ältere Menschen abgesehen: Mit Schockanrufen, gefälschten WhatsApp-Nachrichten und falschen Polizisten an der Haustür erbeuten Kriminelle jedes Jahr Millionensummen. Erfahren Sie hier, wie die Maschen funktionieren, wie Sie sich wehren und wen Sie in Maintal sofort anrufen können.
An einem Dienstagnachmittag vor wenigen Monaten klingelte bei meiner Mutter das Festnetztelefon. Als sie abnahm, hörte sie ein verzweifeltes Schluchzen: „Oma, bitte hilf mir! Ich habe einen schweren Autounfall gebaut. Eine junge Mutter liegt im Koma und ich werde sofort verhaftet, wenn wir nicht gleich eine Kaution hinterlegen!".
Direkt danach meldete sich ein angeblicher Polizeikommissar Schneider: streng, autoritär und unnachgiebig. Er forderte 40.000 Euro in bar oder Schmuck. Ein ziviler Bote der Staatsanwaltschaft stünde schon bereit, um die Wertgegenstände an der Haustür in Bischofsheim entgegenzunehmen. Meine Mutter war dem Weinen nahe und zitterte am ganzen Körper. Dass sie nicht zur Bank ging, lag nur an einer einzigen Vereinbarung, die wir vorher getroffen hatten: Bei Geldforderungen am Telefon wird sofort aufgelegt und die eigene Familie angerufen.
Die vier häufigsten Betrugsmaschen in Maintal
1. Der Schockanruf
Die Täter setzen auf Schock, Überrumpelung und massive emotionale Erpressung. Eine weinende Stimme (angebliche Tochter, Sohn oder Enkel) täuscht einen tödlichen Verkehrsunfall vor. Dann übernimmt ein falscher Polizist oder Staatsanwalt das Wort. Wichtig zu wissen: Im deutschen Rechtssystem gibt es keine Bar-Kaution an der Haustür! Die echte Polizei oder Justiz wird niemals anrufen und verlangen, dass Sie Fremden Bargeld oder Gold aushändigen.
2. Falsche Polizisten („Einbrecherbande in der Nachbarschaft")
Der Anrufer behauptet: „Wir haben in Ihrer Straße zwei Einbrecher festgenommen. Bei ihnen haben wir einen Zettel mit Ihrem Namen und Ihrer Adresse gefunden. Ihr Geld auf der Bank ist nicht mehr sicher!". Das Opfer wird angewiesen, alles Ersparte von der Bank abzuheben und einem „Kollegen in Zivil" zur sicheren Verwahrung zu übergeben. Auch hier gilt: Die echte Polizei nimmt niemals private Wertsachen in Verwahrung!
3. Der Enkeltrick per WhatsApp und SMS
Auf dem Handy trifft eine Nachricht ein: „Hallo Mama/Oma, mein altes Handy ist ins Wasser gefallen, das hier ist meine neue Handynummer. Bitte speichere sie ab!". Nach kurzem Geplänkel folgt die Bitte: „Ich muss dringend eine Rechnung überweisen, aber mein Online-Banking geht auf dem neuen Handy noch nicht. Kannst du das für mich auslegen?".
4. Haustürgeschäfte und falsche Handwerker
Männer in Arbeitskleidung klingeln unangekündigt an der Tür: Angeblich müsse sofort das Dach repariert, die Gasleitung geprüft oder der neue Glasfaseranschluss freigeschaltet werden. Während ein Täter die Seniorin in der Küche ablenkt, durchsucht ein Komplize unbemerkt Schlafzimmer und Wohnzimmer nach Schmuck und Bargeld.
Telefonbuch-Tipp: Den Vornamen abkürzen
Betrügerbanden suchen in gedruckten und digitalen Telefonbüchern gezielt nach altmodischen Vornamen wie Erna, Hildegard, Wilhelm oder Friedrich. Lassen Sie Ihren Eintrag im Telefonbuch ändern! Ändern Sie den Eintrag auf den Anfangsbuchstaben (z.B. „H. Müller" statt „Hildegard Müller") oder lassen Sie die Festnetznummer komplett aus dem öffentlichen Telefonbuch löschen. Das erledigt Ihr Telefonanbieter kostenlos und stoppt die meisten Betrugsanrufe im Vorfeld.
Die vier goldenen Verhaltensregeln
Prägen Sie sich diese vier einfachen Regeln ein und besprechen Sie sie mit Ihren Angehörigen:
- Auflegen ist nicht unhöflich: Sobald am Telefon von Geld, Schmuck, Kaution oder Bankkonten die Rede ist: Beenden Sie das Gespräch sofort! Drücken Sie auf die Auflegen-Taste. Sie müssen sich nicht rechtfertigen.
- Gegencheck unter der bekannten Nummer: Rufen Sie Ihr Kind oder Ihren Enkel sofort unter der Ihnen seit Langem bekannten Handynummer an. Sie werden schnell merken: Dem Angehörigen geht es blendend und er weiß von nichts.
- Keine Fremden in die Wohnung lassen: Nutzen Sie immer den Türspion, die Gegensprechanlage oder eine vorgelegte Türkette. Schauen Sie sich Dienstausweise genau an. Seriöse Handwerker und Behördenvertreter kündigen sich vorher schriftlich an.
- Niemals Fremden Geld übergeben: Übergeben Sie niemals Bargeld, Schmuck oder EC-Karten an Unbekannte: weder an der Haustür noch an einem vereinbarten Treffpunkt.
Ansprechpartner und Hilfe in Maintal
Wenn Sie einen verdächtigen Anruf erhalten haben oder an der Haustür bedrängt wurden, zögern Sie nicht. Melden Sie jeden Vorfall der Maintaler Polizei. Sie helfen damit, andere ältere Menschen in der Nachbarschaft vor Schaden zu bewahren.
Polizei und Prävention in Maintal
Polizeistation Maintal
Edisonstraße 1, 63477 Maintal-Hochstadt
Telefon: 06181 4302-0 (Rund um die Uhr besetzt)
Im akuten Notfall: Immer sofort den Notruf 110 wählen!
Schutzfrau vor Ort (SvO) der Polizeistation Maintal
Edisonstraße 1, 63477 Maintal
Telefon: 06181 430-252
Die Schutzfrau vor Ort ist feste Ansprechpartnerin für Seniorinnen und Senioren in Maintal bei allen Fragen der Kriminalprävention und des Einbruchschutzes. Sprechstunden und Termine nach Vereinbarung.
Sicherheitsberater für Senioren (SfS) der Stadt Maintal
In Kooperation mit der Polizeidirektion Main-Kinzig und der Seniorenberatung im Rathaus Hochstadt (Klosterhofstraße 4–6, Telefon: 06181 400-365) bieten geschulte ehrenamtliche Sicherheitsberater regelmäßige Informationsveranstaltungen und persönliche Aufklärung an.
Opferhilfe Weißer Ring e.V.: Außenstelle Main-Kinzig, bundesweites Opfer-Telefon: 116 006 (kostenfrei).
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist „Call-ID-Spoofing"?
Betrüger nutzen Computerprogramme, mit denen sie jede beliebige Telefonnummer auf dem Display des Angerufenen anzeigen lassen können. So erscheint auf Ihrem Display scheinbar die echte Nummer der Polizeistation Maintal oder die Notrufnummer 110. Glauben Sie der Displayanzeige niemals!
Ich habe mich überrumpeln lassen und Geld übergeben. Was soll ich tun?
Schämen Sie sich nicht! Diese Täter sind geschulte Psychologen und hochprofessionelle Kriminelle. Wählen Sie sofort den Notruf 110 der Polizei. Je schneller die Polizei verständigt wird, desto größer sind die Chancen, Geldkuriere noch in der Nähe des Tatorts festzunehmen. Wurden EC-Karten übergeben, sperren Sie diese unverzüglich über den bundesweiten Sperr-Notruf 116 116.
Kann die Bank verhindern, dass Senioren hohe Summen abheben?
Banken und Sparkassen in Maintal sind für dieses Thema sensibilisiert. Die Mitarbeiter am Schalter fragen bei ungewöhnlich hohen Bargeldabhebungen älterer Kunden gezielt nach dem Verwendungszweck und schalten bei Verdacht sofort die Polizei ein. Seien Sie den Bankmitarbeitern nicht böse, wenn sie nachfragen: Sie möchten nur Ihr Erspartes schützen.
Sichern Sie sich und Ihre Angehörigen ab
Neben dem Schutz vor Kriminellen ist auch die rechtliche Vorsorge im Notfall unverzichtbar. Erfahren Sie in unserem Vorsorge-Ratgeber, wie Sie eine rechtssichere Vollmacht erstellen.